Die Landesbauernverbände aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen setzten auf der Agra 2026 in Leipzig ein starkes Zeichen der Geschlossenheit. Mit ihrem gemeinsamen Stand in Halle 2 präsentierten sie sich als abgestimmte Stimme der mitteldeutschen Landwirtschaft und schufen eine zentrale Anlaufstelle für Landwirte, Politik, Partner und Öffentlichkeit.
Der Gemeinschaftsstand entwickelte sich über alle Messetage hinweg zu einem lebendigen Treffpunkt für fachlichen Austausch und politische Gespräche. Im Mittelpunkt standen aktuelle agrarpolitische Herausforderungen, betriebswirtschaftliche Fragestellungen sowie die Zukunftsfähigkeit der Betriebe. Die Gespräche waren geprägt von konkreten Fragen zu Förderstrukturen, Investitionsbedingungen und der Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft. Zugleich ist es gelungen, EU-Agrarkommissar Christophe Hansen nach Leipzig zu holen und ihm die Sichtweise der ostdeutschen Agrarstrukturen mit ihren besonderen Rahmenbedingungen und Herausforderungen unmittelbar aus der Praxis zu vermitteln.
Die Agra 2026 bestätigte damit erneut ihre Rolle als zentrale Plattform für Landwirtschaft, Tierzucht und Agrarpolitik in Mittel- und Ostdeutschland. Vom 9. bis 12. April wurde das Leipziger Messegelände zum Treffpunkt für Praxis, Verbände, Politik und Wirtschaft – mit einem klaren Fokus auf die zukünftigen Rahmenbedingungen der Landwirtschaft.
Drei agrarpolitische Foren – klare Positionen und intensive Debatten
Ein zentrales Element des Messeauftritts waren die drei agrarpolitischen Foren der mitteldeutschen Bauernverbände:
Den Auftakt am 9. April bildete ein hochrangig besetztes Forum mit EU-Agrarkommissar Christophe Hansen sowie führenden Vertretern der Agrarpolitik wie der Präsident des Deutschen Bauernverbandes Joachim Rukwied und der Präsident des Sächsischen Landesbauernverbandes Torsten Krawczyk. Deutlich wurde der hohe Zeitdruck für die kommende Förderperiode sowie die Notwendigkeit, Förderinstrumente stärker an den regionalen Realitäten auszurichten. Gerade aus mitteldeutscher Perspektive wurde betont, dass die besonderen Strukturen ostdeutscher Betriebe berücksichtigt werden müssen.
Am 10. April folgte unter dem Titel „Ein Jahr nach der Bundestagswahl – eine Standortbestimmung“ eine Einordnung der aktuellen Bundespolitik. Diskutiert wurden Fortschritte beim Bürokratieabbau, Anpassungen bestehender Regelungen sowie die wirtschaftlichen Perspektiven landwirtschaftlicher Betriebe. Gleichzeitig wurde deutlich, dass insbesondere in der Tierhaltung weiterhin erheblicher Anpassungs- und Investitionsbedarf besteht und praktikable politische Rahmenbedingungen entscheidend sind. Auf dem Podium diskutierten Silvia Breher, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Karsten Schmal, Vizepräsident des DBV, und Olaf Feuerborn, Präsident des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt sowie Mitglied des Landtages Sachsen-Anhalt.
Das Forum am 11. April stellte die Frage nach konkreten Entlastungen für die mitteldeutsche Landwirtschaft in den Mittelpunkt. Neben der Kritik an bürokratischen Vorgaben wurden auch strukturelle Herausforderungen wie Fachkräftemangel, Investitionsunsicherheit und regulatorische Belastungen intensiv diskutiert. Ein zentrales Thema war zudem die Ausgestaltung der EU-Agrarförderung: Pauschale Instrumente wie Kappung und Degression wurden kritisch bewertet, da sie die strukturellen Besonderheiten ostdeutscher Betriebe nicht ausreichend berücksichtigen. Auf dem Podium vertreten waren Georg-Ludwig von Breitenbuch, Sächsischer Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft, Gerd Zender, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten Sachsen-Anhalt, Marcus Malsch, Staatssekretär für Landwirtschaft und Ländlichen Raum im Freistaat Thüringen, Dr. Klaus Wagner, Präsident des Thüringer Bauernverbandes, sowie Nikola Steinbock, Sprecherin des Vorstandes der Landwirtschaftlichen Rentenbank.
Über alle drei Foren hinweg zog sich eine klare Botschaft: Die Landwirtschaft braucht verlässliche, praktikable und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen. Bürokratieabbau, Planungssicherheit und eine faire Ausgestaltung der Förderpolitik standen dabei im Mittelpunkt der Forderungen.
Starkes Netzwerk: Unternehmerinnen-Treffen als besonderer Impuls
Ein besonderes Highlight war das Netzwerktreffen der Unternehmerinnen am Samstag. Hier kamen engagierte Frauen aus der Landwirtschaft zusammen, um sich auszutauschen und Impulse für ihre Arbeit mitzunehmen.
Im Zentrum stand Katrin Beberhold, Vizepräsidentin des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt, die das Mentoring-Programm des Deutschen Bauernverbandes vorstellte und wichtige Perspektiven für die Förderung von Frauen in der Landwirtschaft aufzeigte. Begleitet wurde das Treffen von hochrangigen Gästen aus Politik und Verbänden, darunter Georg-Ludwig von Breitenbuch, Nora Seitz und Ina Klemm oder Nikola Steinbock. Das Treffen unterstrich die Bedeutung von Netzwerken und die wachsende Rolle von Unternehmerinnen in der Landwirtschaft.
Gemeinschaft und Praxisnähe: AGRILL-Aktion als Publikumsmagnet
Neben den fachlichen und politischen Inhalten kam auch der persönliche Austausch nicht zu kurz. Die AGRILL-Aktion unter dem Motto „#gemeinsamgenießen“ bot eine hervorragende Gelegenheit für Gespräche in lockerer Atmosphäre und wurde von vielen Besucherinnen und Besuchern sehr gut angenommen.
Weitere Highlights am Stand
Auch am Gemeinschaftsstand selbst wurde viel geboten: Ein Fahrsimulator entwickelte sich zu einem echten Publikumsmagneten und war durchgehend stark nachgefragt. Darüber hinaus sorgte die feierliche Krönung der Milchhoheiten als traditioneller Höhepunkt für große Aufmerksamkeit und unterstrich die enge Verbindung von Landwirtschaft und Öffentlichkeit (siehe Sonderbeitrag).
Fazit
Der gemeinsame Auftritt der mitteldeutschen Bauernverbände hat die Agra 2026 maßgeblich geprägt. Die Messe zeigte eindrucksvoll, wie wichtig ein abgestimmtes Vorgehen, klare Positionen und ein starkes Netzwerk für die Zukunft der Landwirtschaft sind.
Die kommenden Jahre werden entscheidend für die agrarpolitische Ausrichtung sein – umso wichtiger ist es, die Interessen der Betriebe weiterhin geschlossen und sichtbar zu vertreten.
