Wie wird das Produkt Milch in den Medien und in der Öffentlichkeit wahrgenommen? Und wie steht es aktuell um die Umsetzung des Artikels 148 Gemeinsame Marktorganisation (GMO)? Das waren zwei Fragen, mit dem sich der Fachausschuss Milch des Deutschen Bauernverbandes e.V. (DBV) am 2. November 2026 in Berlin beschäftigt hat.
Vertreter aller Landesbauernverbände, darunter Juliane Streubel, Referatsleiterin Tierische Erzeugung beim Sächsischen Landesbauernverband e.V., kamen im Haus der Land- und Ernährungswirtschaft zusammen, um über aktuelle Entwicklungen und zentrale Zukunftsthemen der Milchwirtschaft zu diskutieren.
Verband kritisiert verpflichtende Verträge
Im Fokus des Austauschs mit Vertretern des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat stand die Gemeinsame Marktorganisation der EU. Über die Artikel 148 und 168 sind nun schriftliche Vereinbarungen zwischen Milchlieferanten und Abnehmern grundsätzlich vorgeschrieben. Der DBV kritisiert, dass damit die unternehmerische Freiheit eingeschränkt, neue Bürokratie aufgebaut und das Einkommen in der Landwirtschaft gefährdet würde.
Auch der Sächsische Landesbauernverband e.V. lehnt die generelle Vertragspflicht für Rohmilchlieferungen mit Angaben zu Menge und Preis ab. Vertraglich geregelte Mengen-Preis-Beziehungen führen zwar zu einer besseren Planbarkeit, im Durchschnitt mehrerer Jahre aber zu einem nachweislich geringeren Auszahlungspreis.
Der Fachausschuss Milch des DBV stellt noch einmal heraus, dass die im Koalitionsvertrag verankerte steuerfreie Risikoausgleichsrücklage umgehend eingeführt werden muss. Nur so kann die Resilienz der Betriebe gegenüber Marktvolatilitäten gestärkt werden.
Initiative Milch stellt neue Formate vor
Die Geschäftsführerin der Initiative Milch, Kerstin Wriedt, gab den Fachausschuss-Teilnehmern Einblicke in die Aktivitäten im Jahr 2026. Nicht nur rund um den Tag der Milch, der traditionell am 1. Juni begangen wird, brachte die Initiative in ihren Social-Media-Formaten und neuen Video-Podcasts Verbrauchern nahe, was „Milch macht”. So zeigte sie auf großflächigen Bildschirmen in den Hauptbahnhöfen Berlin und Hamburg reale Bilder aus der Milchwirtschaft. Auf einer LAN-Party auf dem Milchhof Meppen in Niedersachsen verband sie gemeinsam mit den reichweitenstarken Creator:innen Schradin und Sophie Elisabeth digitale Spielwelt und realen Hofalltag miteinander.
Auf der Tagesordnung des Fachausschusses standen außerdem das DBV-Positionspapier zur Milchviehhaltung sowie Digitalisierungs- und Datenraumprojekte der Branche. Dabei zeigte sich erneut, wie wichtig dabei der Austausch mit den Landesverbänden sowie den haupt- und ehrenamtlich Engagierten der Branche ist. Gemeinsam mit DBV-Milchpräsident Karsten Schmal beleuchteten die Teilnehmer in Berlin aktuelle Herausforderungen aus unterschiedlichen Perspektiven, brachten Erfahrungen aus der Praxis ein und diskutierten Positionen für die Zukunft der Milchwirtschaft. (kno)
