SLB Logo
31.08.2026

Freiburger Erklärung übergeben: SLB bringt Forderungen zur Zukunft der GAP direkt in die politische Debatte ein

Intensiver Austausch mit Europaabgeordnetem Oliver Schenk, Landwirtschaftsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch und dem CDU-Landesfachausschuss

Leipzig, 28. August 2026 – Die Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2028 stand am 28. August im Mittelpunkt intensiver politischer Gespräche in Sachsen. In der Agrarprodukte Kitzen eG übergab der Sächsische Landesbauernverband e. V. (SLB) die „Freiburger Erklärung zum Deutschen Bauerntag 2026 zur Zukunft der Europäischen Gemeinsamen Agrarpolitik“ an den Europaabgeordneten Oliver Schenk und den sächsischen Landwirtschaftsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch.

Die Übergabe fand im Rahmen eines offenen und intensiven Austauschs über die künftige Ausgestaltung der europäischen Agrarpolitik, die wirtschaftliche Situation der Landwirtschaft und die Bedeutung starker ländlicher Räume statt.

Die „Freiburger Erklärung“ war beim Deutschen Bauerntag 2026 in Freiburg mit großer Mehrheit verabschiedet worden. Darin macht der Deutsche Bauernverband deutlich, dass die GAP weit mehr ist als ein Ausgabenposten: Sie ist eine zentrale Grundlage für Einkommenssicherung, Marktstabilität, Versorgungssicherheit und die Entwicklung der ländlichen Räume.

500 Milliarden Euro für eine starke GAP

Ein zentraler Punkt der Freiburger Erklärung ist die Forderung nach einem eigenständigen und inflationsfesten Agrarbudget von 500 Milliarden Euro für die Förderperiode 2028 bis 2034. Die Vorschläge der EU-Kommission für den künftigen Mehrjährigen Finanzrahmen werden vom Berufsstand als unzureichend und als Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Landwirtschaft bewertet.

„Wir dürfen nicht zulassen, dass die Landwirtschaft bei der Neuordnung des europäischen Haushalts zum Verlierer wird. Wer Versorgungssicherheit, regionale Wertschöpfung und vitale ländliche Räume will, muss auch bereit sein, die Landwirtschaft entsprechend auszustatten“, betont der SLB.

Ebenso klar ist die Position des Berufsstandes zur geplanten Kappung und Degression der Direktzahlungen. Diese Instrumente werden insbesondere mit Blick auf die vielfältigen Agrarstrukturen in Deutschland kritisch gesehen. Sie können größere, beschäftigungsintensive und vielfach genossenschaftlich oder als juristische Personen organisierte Betriebe in Ostdeutschland besonders treffen.

Der SLB fordert deshalb, die Vielfalt der Agrarstrukturen zu berücksichtigen und auf Kappung und Degression zu verzichten.

Ländliche Entwicklung muss eigenständiger Bestandteil bleiben

Neben einem starken Agrarbudget setzt sich der Berufsstand für den Erhalt der Ländlichen Entwicklung als eigenständigen und verlässlich finanzierten Bestandteil der GAP ein. Investitionen in Infrastruktur, Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Lebensqualität seien nicht nur eine Frage der Landwirtschaft, sondern entscheidend für die Zukunftsfähigkeit ganzer Regionen.

Gleichzeitig braucht es aus Sicht des SLB eine klare europäische Zuständigkeit für die Agrarpolitik. Eine zunehmende Verlagerung von GAP-Regelungen in übergeordnete nationale oder regionale Partnerschaftspläne würde die gemeinsame europäische Agrarpolitik weiter verkomplizieren und könnte zu unterschiedlichen Rahmenbedingungen innerhalb Europas führen.

Bürokratieabbau muss auf den Höfen ankommen

Ein weiterer Schwerpunkt der Gespräche war der dringend notwendige Abbau von Bürokratie. Landwirtschaftliche Betriebe benötigen aus Sicht des SLB verlässliche, verständliche und praxistaugliche Regeln statt immer neuer Nachweis-, Kontroll- und Verwaltungspflichten.

„Bürokratieabbau darf nicht nur auf dem Papier stattfinden. Er muss bei den Landwirten tatsächlich ankommen“, so die Forderung des SLB.

Intensive Diskussion im CDU-Landesfachausschuss

Im Anschluss an die Übergabe der Freiburger Erklärung fand in der Agrarprodukte Kitzen eG eine Sondersitzung des CDU-Landesfachausschusses Landwirtschaft, Energie und Umwelt statt. Neben Landwirtschaftsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch, Europaabgeordnetem Oliver Schenk und Vertretern der CDU-Landtagsfraktion nahm auch SLB-Präsident Torsten Krawczyk an der Diskussion teil.

Die Sitzung entwickelte sich zu einem sehr intensiven und offenen Austausch, der rund drei Stunden dauerte. Im Mittelpunkt standen insbesondere die aktuellen Verhandlungen zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik und die Frage, welche Verhandlungsstrategien sich auf europäischer Ebene abzeichnen.

Dabei wurden die Auswirkungen der geplanten GAP-Reform auf die sächsischen Landwirtschaftsbetriebe ebenso diskutiert wie die Frage, wie die Interessen der ostdeutschen Agrarstrukturen in den weiteren Verhandlungen berücksichtigt werden können.

Ein weiterer Schwerpunkt war die EU-Naturwiederherstellungsverordnung und ihre möglichen Auswirkungen auf die sächsische Land- und Forstwirtschaft. Auch hier wurde deutlich, dass neue europäische Vorgaben aus Sicht des Berufsstandes nicht zu zusätzlichen bürokratischen Belastungen und Einschränkungen der landwirtschaftlichen Produktion führen dürfen.

Landwirtschaft braucht politische Verlässlichkeit

Für den SLB zeigt der intensive Austausch eines deutlich: Die Entscheidungen der kommenden Monate werden für die Landwirtschaft von großer Bedeutung sein. Mit den Verhandlungen über den Mehrjährigen Finanzrahmen und die GAP ab 2028 werden die politischen und finanziellen Rahmenbedingungen für eine ganze Förderperiode festgelegt.

Der SLB wird sich deshalb weiterhin auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene dafür einsetzen, dass Landwirtschaft, Versorgungssicherheit und ländliche Räume bei diesen Entscheidungen nicht ins Hintertreffen geraten.

Die Freiburger Erklärung des Deutschen Bauernverbandes setzt hierfür einen klaren politischen Rahmen: ein starkes Agrarbudget, keine Kappung und Degression, eine eigenständige und verlässliche Ländliche Entwicklung sowie echter Bürokratieabbau.

Die vollständige Freiburger Erklärung kann hier nachgelesen werden:
Freiburger Erklärung des Deutschen Bauernverbandes

Ansprechpartner
© fotografieren24

Diana Henke

Hauptgeschäftsführerin
Telefon0351 262536 19
Mobil0172 3535262