SLB Logo
02.09.2026

Landwirtschaft verbindet: Sächsischer Landesbauernverband im Austausch mit Delegation aus Paraná

Milchviehhaltung, Kosten, Flächennutzung, Genossenschaftswesen und Mercosur: Ein internationaler Austausch zeigt Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der Landwirtschaft in Sachsen und im brasilianischen Paraná

Was verbindet Sachsen mit dem brasilianischen Bundesstaat Paraná? Mehr, als man auf den ersten Blick denkt. Milchviehhaltung, bäuerliche Familienbetriebe, genossenschaftliche Strukturen und die Frage nach zukunftsfähigen Rahmenbedingungen standen im Mittelpunkt eines Austauschs in der Hauptgeschäftsstelle des Sächsischen Landesbauernverbandes.

Zu Gast war eine aus Paraná stammende Delegation rund um die Familie Bouwman aus Castrolanda. Gastgeber des Austauschs war Prof. Starke von der Universität Leipzig, insbesondere vor dem Hintergrund des universitären und internationalen Wissenstransfers. Mit dabei war auch die brasilianische Studentin Luisa aus Südostbrasilien. Für den SLB nahmen Präsident Torsten Krawczyk, Hans-Uwe Heilmann und Hauptgeschäftsführerin Diana Henke teil.

Niederländische Wurzeln in Paraná

Castrolanda ist ein besonderes Beispiel für die Verbindung zwischen Europa und Brasilien. 1951 gründeten niederländische Einwanderer im Bundesstaat Paraná eine Kolonie und die gleichnamige Genossenschaft. Die Milchviehhaltung entwickelte sich zu einem wichtigen wirtschaftlichen Standbein. Bis heute prägen die niederländischen Wurzeln die Region. Sichtbares Symbol ist die historische Windmühle „De Immigrant“ im Centro Cultural Castrolanda in Castro.

Milchviehhaltung im Vergleich

Im Mittelpunkt des Gesprächs standen ganz praktische Fragen: Welche Milchpreise erzielen die Landwirte? Welche Kosten entstehen? Und wie unterscheiden sich die Investitionsbedingungen?

Während der sächsische Milcherzeugerpreis im Juni 2026 bei rund 39,70 Cent je Kilogramm lag, wurden für Paraná im Juli rund 2,90 brasilianische Real je Liter ausgewiesen. Ein direkter Vergleich ist aufgrund unterschiedlicher Kosten-, Qualitäts- und Vermarktungsstrukturen nur eingeschränkt möglich.

Deutlich wurden auch die Unterschiede bei Investitionen: Ein Melkkarussell für rund 60 Kühe kostet in Deutschland etwa 250.000 Euro. Nach Angaben der Delegation können vergleichbare Investitionen in Brasilien aufgrund der dortigen Steuer- und Abgabenbelastung teilweise das Doppelte kosten.

Fläche, Waldschutz und Mercosur

Intensiv diskutiert wurden auch die unterschiedlichen Vorgaben zur Flächennutzung. In Paraná müssen grundsätzlich 20 Prozent der Fläche des jeweiligen landwirtschaftlichen Grundstücks als „Reserva Legal“ erhalten beziehungsweise entsprechend den gesetzlichen Vorgaben gesichert werden. Zusätzlich können weitere geschützte Flächen hinzukommen.

Auch Wiederaufforstung und Holznutzung waren Thema. Dabei ging es unter anderem um die eingeschränkte Nutzung heimischer Edelhölzer und die Bedeutung von schnell wachsenden Baumarten wie Eukalyptus.

Ein weiterer Schwerpunkt war das Mercosur-Abkommen. Aus Sicht der Landwirtschaft sind dabei insbesondere faire Wettbewerbsbedingungen entscheidend. Unterschiedliche Produktionskosten, Standards und politische Rahmenbedingungen müssen bei der Ausgestaltung des Handels berücksichtigt werden.

Gemeinsame Herausforderungen

Der Austausch zeigte: Die Landwirtschaft in Sachsen und Paraná arbeitet unter sehr unterschiedlichen Bedingungen – steht aber vor vielen ähnlichen Fragen. Wie sichern wir Einkommen? Wie können Betriebe in moderne Technik investieren? Wie gehen wir mit Fläche und natürlichen Ressourcen um? Und welche Rahmenbedingungen braucht Landwirtschaft für die nächste Generation?

Für den SLB steht fest: Der internationale Austausch lohnt sich. Gegenseitige Betriebsbesuche, Wissenstransfer und Kontakte zwischen landwirtschaftlichen Organisationen bieten Potenzial, voneinander zu lernen und neue Perspektiven zu gewinnen.

Der Austausch soll daher fortgesetzt werden.

Ansprechpartner
© fotografieren24

Diana Henke

Hauptgeschäftsführerin
Telefon0351 262536 19
Mobil0172 3535262