„Frauen tragen die Höfe oft unternehmerisch und operativ mit, doch in der rechtlichen Vertretung und im Grundbuch bleiben sie meist unsichtbar.“ Zu diesem Schluss kam jüngst eine Studie des Bundesforschungsinstituts Johann Heinrich von Thünen-Instituts. Ganz ähnliche Erfahrungen teilen auch die knapp 30 Teilnehmerinnen, die am Projekttag des Sächsischen Landfrauenverbandes e.V. (SLFV) am 3. Juni auf dem Kartoffelhof Lienig in Delitzsch teilgenommen haben. Die Veranstaltung anlässlich des von der UN ausgerufenen Internationalen Jahres der Frauen in der Landwirtschaft stand unter dem Motto „Mitgestalten statt nur verwalten. Frauen in Führung und Politik stärken“ und bot Raum für Gespräche, Vernetzung und Diskussion.
Vorträge lieferten neue Impulse
Der Bedarf nach Gedankenaustausch ist groß. Bislang haben bundesweit 11 von 18 Landesbauernverbänden eine Kommunikationsplattform für Frauen geschaffen, wie Theresa Kärtner vom Deutschen Bauernverband e.V. (DBV) berichtete. Sie stellte in Delitzsch die Arbeit im Fachausschuss Unternehmerinnen vor. Auf der politischen Agenda stehen demnach die stärkere Beteiligung von Frauen in Gremien, transparentere Förderstrukturen, Coachingangebote sowie die Verbesserung der sozialen Absicherung selbstständiger Frauen. Über Voraussetzungen und Erfolgsfaktoren für Frauen in Führungspositionen sprach der Landwirtschaftliche Sachverständige Jurec Birnstengel. Besonders betonte er die Bedeutung klarer Kommunikation und unternehmerischen Denkens. Matthias Schicht vom Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) referierte zu aktuellen Herausforderungen auf dem Bodenmarkt und Hürden für Frauen beim Zugang zu Eigentum.
Welche Herausforderungen sind beim Einstieg in verantwortungsvolle Positionen zu meistern? Und welche Unterstützung gibt es, um Familie, Beruf und Ehrenamt erfolgreich miteinander vereinbaren zu können? Die SLVF-Vorsitzende Renate Brähler-Kollmann und Betriebsleiterin Andrea Lienig vom gleichnamigen Kartoffelhof in Delitzsch sprachen über ihre persönlichen Erfahrungen. Diskussionsbedarf hatten die Teilnehmerinnen hier vor allem bei der Frage, weshalb Frauen trotz zunehmender Verantwortung auf den Höfen noch vergleichsweise selten in ehrenamtlichen Funktionen und Verbandsstrukturen vertreten sind.
Mehr über den Projekttag des Sächsischen Landfrauenverbandes e.V. in Delitzsch lesen Sie in der nächsten Ausgabe der Agrar Aktuell.
Vier weitere Projekttage organisiert der Sächsische Landfrauenverband e.V. in diesem Jahr:
19.-20. Juni 2026: „Stark bleiben im Alltag. Frauen zwischen Care-Arbeit und Selbstfürsorge“ im Klubhaus Glashütte
28.-29. August 2026: „30 Jahre nach der Einheit. Einkommen und Chancen in Ost und West“ im Ratskeller Rodewisch
25.-26. November 2026: „GrenzLebenFrauen. Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ im Kloster St. Marienthal (Ostritz)
6.-7. November 2026: „Gleiche Arbeit, gleicher Lohn? Wege zur Entgeltgerechtigkeit“ im ZeitWerkMuseum Frankenberg
Weitere Informationen:
Home – Sächsischer Landfrauen Verband e.V.

