Am 10. September 2026 fand in der Agrargenossenschaft Polenztal e. G. in Heeselicht die gemeinsame Erntebilanz-Pressekonferenz des Sächsischen Landesbauernverbandes e. V. (SLB) und des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) statt. Vor Ort wurden die Ergebnisse der diesjährigen Ernte sowie die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen thematisiert.
Eine ausgeprägte Frühsommertrockenheit und eine lange Hitzewelle Ende Juni haben die diesjährigen Ernteergebnisse maßgeblich beeinflusst. Für viele Getreidekulturen sowie für den Raps führten Temperaturen von mehr als 35 Grad über einen Zeitraum von mehr als einer Woche zu einer abrupten Beendigung der Kornfüllungsphase. Der Ertragszuwachs war damit beendet und das Getreide ging in einigen Regionen Sachsens in die Notreife über. Auch die Niederschläge im Juli brachten in den Spätdruschgebieten kaum noch Ertragszuwachs.
„Mit der Hitzewelle einher ging auch eine massive Verschlechterung bei den Getreidequalitäten“, konstatierte SLB-Präsident Torsten Krawczyk. „Je nach Standort und Witterungssituation schwanken Rohproteingehalte, Hektolitergewichte und Fallzahlen sehr stark. Qualitätsweizen konnte unter den diesjährigen Bedingungen kaum erzeugt werden“. Das spiegelt sich bei den sächsischen Landwirten auch in den erlösten Preisen wider. Erschwerend kommt hinzu, dass die Kosten für Dünger, Diesel, Saatgut, Pflanzenschutz, Logistik und Löhne in den letzten Jahren nur gestiegen sind.
„Das Verhältnis Erlöse und Kosten klafft immer weiter auseinander. Beste Erträge reichen nicht mehr. Uns fehlen die finanziellen Mittel für dringend notwendige Investitionen in unseren Unternehmen. Auch sind wir weit davon entfernt, Rücklagen für zukünftige Herausforderungen zu bilden“, resümiert Torsten Krawczyk. Unsere Landwirtschaft scheitere nicht am Wandel; was sie belastet, sei der Widerspruch zwischen politischen Ansprüchen und wirtschaftlicher Realität. Diese Scheinheiligkeit der Rahmenbedingungen gefährde die Zukunft der Landwirtschaft.
Krawczyk: Wir erwarten von der Politik ein entschlossenes und zügiges Handeln auf allen Ebenen der gesamten Wertschöpfungskette – für faire wirtschaftliche Rahmenbedingungen statt weiterer einseitiger Belastungen.
Anbauumfang der Kulturen
Die sächsischen Landwirte bearbeiten in diesem Wirtschaftsjahr rund 702.274 Hektar Ackerland. Davon entfallen ca. 384.400 Hektar auf den Getreideanbau einschließlich Körnermais. Auf 178.300 Hektar wächst Weizen (-2,6 %), Gerste auf 106.900 Hektar (-1,1 %) und Roggen auf 29.400 Hektar (-7,3 %). Weitere Kulturen sind Triticale mit 15.000 Hektar, Körnermais mit 18.100 Hektar und Hafer mit 17.200 Hektar. Winterraps ist nach dem Getreide mit 102.900 Hektar (-1,9 %) die bedeutendste Fruchtart. Silomais wird auf einer Fläche von 75.100 Hektar (-5,6 %) sowie Zuckerrüben auf 12.500 Hektar (-18,8 %) angebaut.

