Wenn der Genoverband e.V. am 16. Juli in Berlin seine diesjährigen „Agrarhelden“ prämiert, werden auch zwei junge Sachsen mit dabei sein. Eine ist Nancy Büttner (26) von der Agrargenossenschaft Dorfchemnitz e. G. Die amtierende Sächsische Milchkönigin hat es mit ihrem Projekt „Kälberdorf“ in die Runde der letzten Drei des bundesweiten Nachwuchswettbewerbs geschafft. Auch Christoph Weber von der Agraset Agrargenossenschaft eG. Naundorf gehört zu den Finalisten. Gesucht waren junge Menschen aus der Landwirtschaft, die Verantwortung übernehmen, neue Impulse setzen und mit frischen Ideen ihre Betriebe voranbringen.
Nancy Büttner, die als Tierproduktionsleiterin und Ausbilderin tätig ist, hat das „Kälberdorf“ bereits im August 2024 auf dem Betriebsgelände in Dorfchemnitz eröffnet. Anliegen war es, die Haltung der weiblichen Zuchtkälber von Gruppen- auf Paarhaltung umzustellen, um deren Gesundheit und Aufzuchtleistung zu verbessern. Pro Monat kommen rund 30 Kälber in der Agrargenossenschaft zur Welt. Wurden sie bislang nach wenigen Tagen in der Einzelbox in eine Gruppe mit anderen Jungtieren gesteckt, kommen sie im „Kälberdorf“ zu zweit in eine Doppelbox – und das für etwa 80 Tage. „Die Tiere entwickeln eine enge soziale Bindung und lernen voneinander. Wir haben beobachtet, dass die Pärchen auch später oft zusammen sind“, sagt Nancy Büttner. Zudem sei die Betreuung der Kälber intensiver, da in einer größeren Gruppe schneller mal ein Tier untergehen könne. Insgesamt 16 Doppelboxen stehen zur Verfügung.
Gefüttert werden die Kälberpärchen mit angesäuertem Milchpulver. Der Vorteil: Das Futter kann längere Zeit verbleiben. „Die Tiere teilen sich ihre Portionen ein, was ihrem natürlichen Saufverhalten nahekommt“, sagt Nancy Büttner. Durch den leichten Futterneid entwickelten die Tiere zudem ein schnelleres Fressverhalten. Regelmäßig erfassen Nancy Büttner und ihr Team die Gewichte der jungen Tiere. „Die Tageszunahme liegt bei rund 1000 Gramm, das ist Goldstandard“, sagt die Landwirtin. Insgesamt seien die Kälber daher gesünder, robuster, und Antibiotika müssten deutlich seltener eingesetzt werden.
Inzwischen bekommen die ersten paarweise aufgezogenen Tiere selbst Kälber. Langzeitstudien in der Milchviehaufzucht zeigen, dass die ersten 80 Lebenstage einen wesentlichen Einfluss auf die spätere Einsatzleistung haben. „Genau das möchten wir nun herausfinden und hoffen, dass die Milchleistung der Tiere höher sein wird“, sagt Nancy Büttner.
Der „Agrarhelden“-Nachwuchspreis ist mit 4.500 Euro dotiert. Das Preisgeld wird gestaffelt ausgeschüttet: 2.000 Euro für den ersten, 1.500 Euro für den zweiten und 1.000 Euro für den dritten Platz. Darüber hinaus erhalten die drei Besten dem Genoverband e.V. zufolge eine besondere Bühne. Für sie und ihre Betriebe werden ein professionelles Videoporträt sowie eine journalistische Reportage mit Fotos erstellt.
