Nicht selten wird behauptet, eine Landwirtschaft ohne modernen Pflanzenschutz sei problemlos möglich. Ein breites Verbändebündnis, zu dem auch der Deutsche Bauernverband e.V. gehört, sieht das nicht so. Vielmehr würde ein solcher Verzicht die Versorgungssicherheit in Deutschland und Europa gefährden und zu einer Verlagerung der Produktion ins Ausland führen.
Neue Wirkstoffe im Pflanzenschutz würden dringend benötigt, um Erträge zu sichern und auf neue Herausforderungen reagieren zu können, denn der Klimawandel bringt neue Krankheiten und Schaderreger auf die Äcker. Die Prüfung und Genehmigung dauern jedoch oft viele Jahre – daher müssen Acker-, Obst-, Gemüse- und Zierpflanzenbetriebe auf bestehende und teilweise weniger wirksame Lösungen zurückgreifen, um ihre Kulturen zu schützen.
Das Verbändebündnis fordert daher in der Online-Petition „Damit regionale Lebensmittel Zukunft haben“ ein wissenschaftsbasierte und effizientes Zulassungssystem. Es geht ihnen darum, Innovationen schneller für Betriebe verfügbar zu machen. Knapp 3.500 Unterschriften haben die Verbände schon gesammelt.
Alte Wirkstoffe fallen weg und neue kommen nicht nach
Dass die jetzigen Verfahren häufig die gesetzlichen Fristen verfehlen, zeigt sich auf europäischer Ebene Jahr für Jahr. Immer wieder verlängert die EU-Kommission die Genehmigung von Wirkstoffen per Sammelverordnung, weil über deren Erneuerung nicht rechtzeitig entschieden werden kann. Gleichzeitig kommen kaum neue Lösungen auf den Markt, weil die zuständigen Stellen mit Zulassungserneuerungen für die bereits im Markt befindlichen Wirkstoffe beschäftigt sind. Die Folge: Während immer mehr Wirkstoffe wegfallen, gelangen so gut wie keine neuen Wirkstoffe in die Praxis.
Die Verbände appellieren an die Bundesregierung, die notwendigen Reformen jetzt auf den Weg zu bringen. Sie muss sich auch auf europäischer Ebene aktiv für eine Überarbeitung und Verbesserung des Systems zur Wirkstoffgenehmigung einsetzen. Deutschland müsse wieder ein verlässlicher Partner im europäischen Zulassungssystem und ein attraktiver Standort für Innovationen im Pflanzenbau werden. Die gesammelten Unterschriften sollen der Bundesregierung übergeben werden.
Zu dem Verbändebündnis gehören der Deutsche Bauernverband (DBV), der Zentralverband Gartenbau (ZVG), der Deutsche Raiffeisenverband (DRV), DER AGRARHANDEL (DAH), der Industrieverband Agrar (IVA), die Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse (BVEO), die Bundesfachgruppe Obst (Obstbau), die Union der Deutschen Kartoffelwirtschaft (UNIKA), der Verband Deutscher Hopfenpflanzer (VDH), die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ), die UFOP Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen, der Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft (VGMS), der Deutsche Hopfenwirtschaftsverband (DHWV) und der OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland.
