Am 1. Juli 2026 fand in der Agrargenossenschaft Doberschütz e. G. die gemeinsame Ernteauftakt-Pressekonferenz des Sächsischen Landesbauernverbandes e. V. (SLB) und des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) statt. Vor Ort wurde über die zu erwartende Ernte und die Sorgen und Nöte im Ackerbau gesprochen. Darüber hinaus stellte Sachsens Landeswirtschaftsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch (CDU) den „Sächsischen Agrarbericht in Zahlen 2026“ vor.
Der Witterungsverlauf des Anbaujahres 2025/26 war durch einen warmen, trockenen Herbst und einen vom ständigen Wechsel zwischen Frost- und milden Perioden gekennzeichneten Winter geprägt. Leider war dieser, wie auch in den vergangenen Jahren, in vielen Regionen Sachsens zu trocken gewesen. Glücklicherweise brachten die Frühjahrsmonate einige Niederschläge, eine Trendumkehr war aber auch damit nicht zu verzeichnen. Die Niederschlagsereignisse halfen jedoch, die Bodenfeuchtesituation im Oberboden etwas zu verbessern. Große Unwetterereignisse blieben bisher weitgehend aus.
„Wir gehen hinsichtlich der Erträge zuversichtlich in die diesjährige Ernte und erwarten regional durchschnittliche Ergebnisse“, sagte Torsten Krawczyk, Präsident des Sächsischen Landesbauernverbandes e.V. „Aber leider ist die Ernteerwartung nur eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist mit großen Sorgen unserer Landwirtinnen und Landwirte angefüllt. Steigende Produktionskosten, dauerhaft unzureichende Erzeugererlöse, zunehmende finanzielle Belastungen in allen Bereichen der landwirtschaftlichen Produktion und eine unberechenbare Agrarpolitik treiben unsere sächsischen Landwirtschaftsbetriebe an den Rand des Abgrunds. Diese Entwicklung gefährdet unsere gesamte landwirtschaftliche Produktion mit direkten Auswirkungen auf Versorgungssicherheit, regionale Wertschöpfung und den ländlichen Raum.“
Der Bauernpräsident betonte, dass er von der Politik ein entschlossenes Handeln auf allen Ebenen der gesamten Wertschöpfungskette fordert – für faire wirtschaftliche Rahmenbedingungen statt weiterer einseitiger Belastungen. Daher richtet der SLB als Berufsstand seinen Appell an die politischen Verantwortungsträger auf Bundes- und Landesebene:
Landwirtschaftsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch: »Der Erntestart 2026 ist für unsere Landwirtschaft vor allem der Abschluss eines Jahres intensiver Arbeit – ein Jahr, in dem die Landwirtinnen und Landwirte ihre Feldbestände gepflegt, jede Wachstumsphase begleitet und unter schwierigen Bedingungen dafür gesorgt haben, dass wir heute ernten können. Trotz dieser enormen Leistung stehen viele Betriebe wirtschaftlich unter Druck. Steigende Energiepreise, höhere Kosten für Arbeit und Betrieb, spürbare Preisschwankungen sowie zunehmende geopolitische Risiken belasten den Alltag unserer Landwirtschaft deutlich. Gleichzeitig zeigt der Blick auf das vergangene Jahr, wie leistungsfähig unsere Betriebe sind: Mit 2,2 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung haben sie 2025 das beste Ergebnis seit 15 Jahren erzielt. Doch dieser Puffer ist inzwischen weitgehend aufgebraucht. Für viele Betriebe ist der Erntestart deshalb ein entscheidender Moment, um wieder Liquidität zu gewinnen und ihre wirtschaftliche Basis zu stabilisieren. Umso wichtiger ist es, dass politische Entscheidungen auf europäischer und nationaler Ebene die Leistungsfähigkeit unserer Landwirtschaft stärken und nicht schwächen. Mein Signal zum Erntestart ist klar: Unsere Landwirtinnen und Landwirte verdienen Verlässlichkeit und Rahmenbedingungen, die ihre Arbeit unterstützen – nicht gefährden.«
Anbauumfang der Kulturen
Die sächsischen Landwirte bearbeiten in diesem Wirtschaftsjahr rund 702.274 Hektar Ackerland. Davon entfallen rund 384.400 Hektar auf den Getreideanbau einschließlich Körnermais. Auf 186.000 Hektar wächst Weizen (+0,4 % gegenüber dem Vorjahr), Gerste auf 107.700 Hektar (-1,6 %) und Roggen auf 29.900 Hektar (-5,6 %). Weitere Kulturen sind Triticale auf 14.700 Hektar, Körnermais auf 18.100 Hektar und Hafer auf 15.000 Hektar. Winterraps ist nach dem Getreide mit 105.200 Hektar (+0,3 %) die bedeutendste Fruchtart. Silomais wird auf einer Fläche von 75.100 Hektar (-5,6 %) angebaut sowie Zuckerrüben auf 12.500 Hektar (-18,8 %).
Sächsischer Agrarbericht 2026
Der „Sächsische Agrarbericht in Zahlen 2026“ gibt einen Überblick zu den Rahmenbedingungen der landwirtschaftlichen Produktion, zu den Boden- und Pachtpreisen, der Förderung, den Details der pflanzlichen und tierischen Erzeugung und zur Entwicklung des Ökolandbaus .Zudem wird über die Aus- und Fortbildung in den Grünen Berufen berichtet sowie über das Miteinander von Landwirtschaft und Umwelt informiert.
Den „Agrarbericht“ zum Download finden Sie hier

